Reisebericht Tim Niemeyer

 In Besuchsberichte

Es war meine zweite Reise nach Myanmar – im Herbst 2014 war ich mit meiner Frau dort auf Reisen und habe mich über beide Ohren in das Land und die Leute verliebt. Zurückgekehrt in die Schweiz habe ich mich umgesehen, wie und auf welche Art man vor Ort unterstützen kann und bin dabei auf die SANNI Foundation gestossen. Susanne Schroff war damals zeitgleich in Myanmar und wie es der Zufall wollte, waren wir sogar zur gleichen Zeit im selben Hotel – allerdings ohne damals in Kontakt zu kommen. Einige Emails, Telefonate und Trainings später durfte ich mich Botschafter der Stiftung nennen – ein Ehrenamt, das mich mit Stolz und Freude erfüllt. Und als Botschafter durfte ich im November 2015 wieder nach Myanmar reisen, um mit einer kleinen Delegation um Susanne Schroff die Projekte vor Ort in Yangon zu besuchen. Es stand aber auch noch eine grosse Herzensangelegenheit auf dem Programm: Ich habe „mein“ Patenkind Myint Myint Oo getroffen und zu Hause besucht. Aber von Anfang an.

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Myanmar gehört immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt, das ganze System ist wenige Jahre nach der Öffnung des Landes weiterhin mehr als wackelig. Ich reiste zwei Wochen nach den ersten freien Wahlen, aus denen die Partei rund um die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi als klare Gewinnerin hervorgegangen ist, an, und war auf die Stimmung im Land gespannt. Spricht man die Burmesen auf „the Lady“, wie Suu Kyi überall genannt wird, an, bekommt man stolze und hoffnungsvolle Antworten – viele erwarten nun den endgültigen Wandel und die Verbesserung der Lebensbedingungen. Yangon boomt, es wird an allen Ecken gebaut, der Verkehr stockt und westliche Werte und Statussymbole mischen sich unter die buddhistische Kultur. Unübersehbar ist aber auch die Armut, die Einfachheit und das Leid vieler Menschen vor Ort – erst recht, wenn man die goldenen touristischen Zentren links liegen lässt und sich auf den Weg durch die Seitenstrassen macht. Auf unserer ersten Tour mussten wir unsere Guides immer wieder überreden, uns das „normale“ Leben und einfache Dörfer zu zeigen – zu gross war die Scham für das andere Myanmar, das neben all dem Gold und dem auf einzelne verteilten Reichtum existiert.

Die von der SANNI Foundation unterstützten Projekte liegen aber genau dort – zum Beispiel in Hlaingthayar, dem ärmsten Township von Yangon. Hier leben zwischen 300’000 und 400’000 Menschen, zumeist unter erschreckenden, ärmlichen und einfachsten Bedingungen. Ein Gesundheitssystem wie wir es kennen, existiert in Myanmar nicht einmal im Ansatz, in den armen Regionen besteht keine medizinische Grundversorgung. Myanmar hat eine besonders hohe AIDS-Zuwachsrate, was vom zuletzt regierenden Militär bestritten wurde. Spricht man in Myanmar über HIV und AIDS, kommt man sich vor wie damals in den 80ern in Europa – die Vorurteile und Vorbehalte sind die gleichen, das Wissen ist äusserst gering. Die Medical Action Myanmar (MAM) rund um Dr. Ni Ni Tun und Dr. Frank Smithuis hat sich diesem Problem angenommen und ist dabei, ein Netzwerk von Kliniken in besonders armen Regionen aufzubauen und so eine Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Neben der medizinischen Versorgung geht es der MAM aber auch um Prävention und Aufklärung. Hierfür arbeitet die MAM mit Community Health Workers, die abgelegene Dörfer aufsuchen und die Bevölkerung sensibilisieren und versorgen. Das einfache Konzept überzeugt sehr, braucht aber auch viel Engagement und Idealismus. Beides ist dem beeindruckenden Team der MAM aber förmlich anzusehen.

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Auf unserer Reise besuchten wir die „Mutterklinik“ in Hlaingthayar, aber auch die von der SANNI Foundation gebaute neuere Klinik an einem anderen Standort im Township und erfuhren von Ni Ni und Frank das Neueste und haben Einblick in den Alltag der dort Tätigen erhalten. Ich durfte als „Kollege“ am Nachmittag an Fallbesprechungen teilnehmen und hautnah erleben, wie Medizin in Myanmar gemacht wird. Unsere Delegation erwartete aber auch eine grosse Gruppe von Kindern, die von Patinnen und Paten der SANNI Foundation unterstützt werden. Es wurde getanzt und gesungen, die Stimmung war riesig! Die Kinder freuten sich sehr über unsere Mitbringsel – insbesondere über die original Schweizer Trauffer-Kühe, die ich meinem „angeheirateten Cousin“ Marc A. Trauffer, Geschäftsführer der Trauffer-Holzspielwaren AG in Hofstetten bei Brienz (www.trauffer-holzspielwaren.ch), abluchsen konnte – an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank für diese grosszügige Unterstützung! Und auf einmal stand dann auch mein Patenkind Myint Myint Oo vor mir – und ich weiss nicht, wer von uns beiden in diesem Moment schüchterner oder aufgeregter war.

Ich habe im Vorfeld von der Stiftung laufend Informationen bekommen, wie es Myint Myint Oo geht und habe ihr im März zu ihrem 3. Geburtstag eine Geburtstagsparty schmeissen lassen – ganz oft habe ich in Yangon nun die Geschichte gehört, dass sie seit diesem Tag wieder lacht, was sie zuvor nicht mehr getan habe. Und sie hat in der Tat ein umwerfendes Lächeln… Am Tag danach habe ich Myint Myint Oo noch zu Hause besuchen dürfen. Sie lebt unweit der Klinik in einfachsten Verhältnissen bei ihren Grosseltern und ihrer Tante, ihre Eltern arbeiten in anderen Teilen des Landes und haben die Kleine zurückgelassen. Es waren zutiefst bewegende Momente in dieser anderen Welt, die ich dankbar in mich aufgenommen habe  – und ich habe Myint Myint Oo versprochen, wieder zu kommen…und ich glaube, sie hat mich verstanden.

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Neben all diesen bewegenden Eindrücken hat mich die Reise nach Myanmar in einem absolut bestätigt: Als Botschafter werde ich weiter für Unterstützung der SANNI Foundation sorgen! Mein erklärtes Ziel ist es, mehr Patinnen und Paten für Kinder in Myanmar zu werben – mit nicht mal einem Franken am Tag erhält ein Kind dort medizinische Versorgung, Nahrung und Bildung. Das ist ganz viel für ganz wenig. Erst recht in dem Wissen, dass tatsächlich jeder Rappen ankommt. Danke, Susanne, für dein Engagement, deine Stiftung und dein Team! Ihr macht wirklich einen Super-Job.

Was Myint Myint Oo noch nicht weiss: Schon bald reisen meine Frau und ich wieder nach Myanmar, und den Abstecher nach Hlaingthayar haben wir fest eingeplant…

Zur Person: Dr. med. Tim Niemeyer ist Jahrgang 1975, verheiratet, keine Kinder. Geboren und aufgewachsen in Norddeutschland, seit mehr als einem Jahrzehnt in der Schweiz. Tim Niemeyer ist als Leitender Arzt/Chefarzt Stv. an den Psychiatrischen Diensten der Spitäler fmi AG am Spital Interlaken tätig. Mit seiner Frau lebt er im Berner Oberland bei Brienz.

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